Drittes Kapitel

Stabat Mater


Verheiratet, Vater eines unversorgten Kindes und ohne Vermögen: So stellte das Prager Stadtamt am 24. Juni 1874 die wirtschaftliche Lage Antonín Dvořáks fest, Musiklehrer, geboren 1841 und wohnhaft im Haus Nummer 1364. Die Angaben waren amtlich geprüft worden.

Die Bescheinigung hatte Dvořák selbst beantragt. Am 15. Juni hatte er das Amt um einen Nachweis in deutscher Sprache gebeten, der seine Mittellosigkeit bestätigte, denn ein solcher Nachweis musste dem Antrag auf ein staatliches Künstlerstipendium beigelegt werden, und die Bewerbung war bis zum Dreißigsten des Monats einzureichen. Das Amt brauchte neun Tage. Außer seinem Organistengehalt und den sechzig Gulden monatlich, die er mit Privatunterricht verdiente, stellte es keine weitere Einkommensquelle fest. Das unversorgte Kind war Otakar, noch keine drei Monate alt. Die Bescheinigung ging mit dem Antrag nach Wien; beigelegt waren außerdem die Partituren seiner beiden jüngsten Sinfonien und eine Reihe weiterer Werke.

Das Stipendium kam aus Wien. Das österreichische Unterrichtsministerium vergab jedes Jahr staatliche Unterstützungen an junge, mittellose und begabte Künstler, an Dichter ebenso wie an Musiker. Musikalischer Berater war Eduard Hanslick, Musikschriftsteller und seit vielen Jahren Kritiker der Wiener Tageszeitung Neue Freie Presse; neben ihm saß Johann Herbeck, Direktor der Wiener Hofoper, in der Kommission, die über die Bewerbungen entschied.


Schon vor alledem war im Chor von St. Adalbert die Nachricht von einer Oper umgegangen. Nach Foersters Erinnerung brachte ein Chormitglied, das zugleich an der tschechischen Oper sang, die Neuigkeit mit, Dvořák habe dem Theater eine Oper eingereicht; niemand im Chor habe jedoch den Mut gehabt, den vermeintlichen Verfasser danach zu fragen. Dann begann das lange Warten. Als die Proben einsetzten, sagten die Berichte, die auf die Empore gelangten, nichts darüber, ob die Musik gut sei, und schließlich kam die Nachricht: Das Theater hatte dem Komponisten die Partitur zurückgegeben. Bei den Proben hatte sich das Werk als nicht aufführbar erwiesen.

Foerster erzählte weiter, Dvořák habe die zurückgewiesene Partitur dem Feuer seines ärmlichen Ofens übergeben und von vorn zu schreiben begonnen.

Die Partitur kam in kein Feuer. Lange nach dem Tod ihres Komponisten tauchte sie wieder auf, und das Prager Nationaltheater brachte diese erste Fassung am 28. Mai 1929 auf die Bühne.

Der zweite Teil von Foersters Satz stimmt jedoch. Dvořák behielt das Libretto von Bernard Guldener, der unter dem Namen B. J. Lobeský schrieb: die Geschichte eines böhmischen Königs aus alter Zeit, der sich bei der Jagd in einem tiefen Wald verirrt und bei der armen Familie eines Köhlers Unterschlupf findet, ohne ihr zu sagen, wer er ist. Zwischen dem 17. April und dem 3. November 1874, während er weiterhin Organist war und mit Unterricht seinen Lebensunterhalt verdiente, vertonte Dvořák das gesamte Libretto ein zweites Mal, von Anfang an, ohne einen einzigen Takt der früheren Fassung zu übernehmen.

Drei Wochen nach der Fertigstellung, am 24. November, dirigierte Adolf Čech im Interimstheater die Uraufführung der neuen Fassung von Der König und der Köhler. Diesmal, erinnerte sich Foerster, wurden die Nachrichten, die zum Chor gelangten, von Sonntag zu Sonntag besser; man sprach von einem überraschenden Reichtum melodischer Schönheit und von der dramatischen Spannung der Hauptszenen. Die Premiere war ein Erfolg, und das Theater gab die Oper noch sechs weitere Male.

Wahrscheinlich in diesem Herbst lernte Dvořák Leoš Janáček kennen, damals Schüler der Prager Orgelschule, und die beiden wurden Freunde.

Am 8. Januar 1875 bewilligte ihm das Ministerium in Wien, nach der Chronologie der tschechischen Dvořák-Gesellschaft, ein staatliches Stipendium von vierhundert Gulden.


In den ersten Monaten dieses Jahres schrieb er ein Streichquintett und reichte es bei einem Wettbewerb des Künstlervereins Umělecká beseda ein, unter einem Motto, mit dem er es seinem Volk widmete. Im März unternahm er eine kurze Studienreise nach Wien; am 12. des Monats wählte ihn der Verein tschechischer Dramatiker und Komponisten in seinen Ausschuss, und zwischen dem 3. und dem 14. Mai schrieb er eine fünfsätzige Serenade für Streichorchester.

Am 9. August begann er Wanda, eine Oper in fünf Akten nach einem Libretto, das Václav Beneš Šumavský und František Zákrejs nach einer polnischen Vorlage eingerichtet hatten: die Geschichte einer Krakauer Fürstin, die einen Ritter niedrigen Standes einem deutschen Prinzen vorzieht und, als der Prinz ihr Volk mit Krieg überzieht, schließlich ihr eigenes Leben hingibt.

Am 19. August 1875 wurde das zweite Kind des Ehepaars geboren, eine Tochter namens Josefa. Zwei Tage später starb sie.

Noch im August schickte Dvořák dem Ministerium seine zweite Bewerbung. Den Herbst hindurch arbeitete er an Wanda und beendete die Partitur am 22. Dezember, in demselben Monat, in dem er Jean Becker kennenlernte, den Primarius des Florentiner Streichquartetts.

Im Februar 1876 gewann das Quintett den Preis der Umělecká beseda, und am 18. März wurde es in Prag zum ersten Mal aufgeführt; dazwischen, am 5. März, hatte ihm das Ministerium ein zweites Stipendium zugesprochen, wiederum vierhundert Gulden. Am 17. April dirigierte Čech im Interimstheater die Premiere von Wanda. Publikum und Kritik nahmen die Oper gut auf, und das Theater spielte sie in jenem Jahr viermal.

Während all dieser Wochen hatte Dvořák ein größeres Werk in Arbeit. Am 19. Februar begann er mit der Vertonung des Stabat Mater, des mittelalterlichen lateinischen Gedichts von der Mutter, die am Fuß des Kreuzes steht, und am 7. Mai war sie fertig: sieben Sätze für vier Solostimmen, Chor und Klavier, in elf Wochen geschrieben, während er weiterhin Organist an St. Adalbert war und weiterhin Unterricht gab.


Ein Teil dieses Unterrichts fand im Haus Jan Neffs statt, der aus Mähren stammte. Seine Frau Marie Neffová schrieb später ihre Erinnerungen an Dvořáks Besuche in ihrem Haus auf und begann damit, dass all dies viele Jahre zurückliege. Er kam, um Klavierunterricht zu geben, und am Abend begleitete er den Gesang der Familie; am liebsten sang man Duette. Das Problem war die Auswahl. Die immer gleichen Stücke Mendelssohns und anderer deutscher Komponisten, schrieb sie, seien sie schließlich leid geworden.

Ihr Mann warf eines Tages den Gedanken hin, ob man nicht Duette aus der eigenen Musik machen könne, etwa aus mährischen Volksliedern. Dvořák bat ihn, gute Texte herauszusuchen; um den Rest werde er sich kümmern. Die Gouvernante der Familie ging eine gedruckte Sammlung mährischer Lieder durch und wählte ungefähr fünfzehn aus, deren alten Melodien Dvořák eine zweite Stimme und eine Klavierbegleitung hinzufügen sollte.

Einige Tage später kam er zurück und lehnte ab. So wolle er es nicht machen, sagte er; wenn es ihnen recht sei, werde er Duette auf seine eigene Art schreiben, aber bloß eine zweite Stimme zu den vorhandenen Liedern setzen werde er nicht. Niemand widersprach. Er nahm die Volkstexte und schrieb eigene Musik dazu: zehn Duette für Sopran und Alt mit Klavier, im Sommer 1876 vollendet und Marie Neffová und ihrem Mann gewidmet. Sie wurden die bekanntesten seiner Klänge aus Mähren.

Als Marie die Stücke zum ersten Mal durchsah und sie lobte, bedauerte der Komponist, dass ihm die Mittel fehlten; er würde sie gern drucken lassen. Jan Neff erklärte sofort, er werde sich um die Veröffentlichung kümmern, unter der Bedingung, dass die eine Hälfte der Auflage Dvořák und die andere Hälfte den Neffs gehören sollte. Dvořák stimmte zu, und noch vor Jahresende hatte Emanuel Starý, der Gründer des ersten tschechischen Musikverlags, acht der zehn Duette gedruckt.

Dann ließen die Neffs, während Dvořák fort war, eine Anzahl ihrer Exemplare sorgfältig binden und schickten sie, ohne ihn zu fragen, an führende Musiker und Kritiker sowie an bekannte tschechische Patrioten. Bischof Josip Strossmayer, eine führende Gestalt der kroatischen Nationalbewegung, erhielt sein Exemplar mit einer patriotischen Widmung; der Komponist Johannes Brahms und Hanslick bekamen ihre mit der höflichen Bitte, die Stücke anzunehmen und zu beurteilen. All das geschah, erinnerte sich Marie Neffová, ohne dass der ahnungslose Komponist das Geringste davon wusste.

Ende Juli bewarb er sich zum dritten Mal beim Ministerium. Am 18. September 1876 wurde eine weitere Tochter geboren, Růžena.


Am Sonntag, dem 10. Dezember 1876, dirigierte Čech in Prag die Uraufführung der Serenade, die Dvořák neunzehn Monate zuvor vollendet hatte. Heute ist sie als Serenade für Streicher bekannt.

Es gibt darin keine Holzbläser, kein Blech und keine Pauken, nur Violinen, Bratschen, Violoncelli und Kontrabässe, und sie beginnt nicht mit den ersten Violinen. Die zweiten Violinen tragen die Melodie über einem leisen Puls der Bratschen; im zweiten Takt antworten die Celli. Erst im fünften Takt übernehmen die ersten Violinen die Melodie, und mit ihnen setzen die Kontrabässe pizzicato ein. Der zweite Satz ist ein Walzer in Moll. Nach seinem Mittelteil beginnt der Walzer noch einmal von vorn: Die ersten Violinen haben die Melodie, bald in Oktaven verdoppelt. Darauf folgen ein schnelles Scherzo, ein langsamer Satz und ein Finale; die gesamte Serenade dauert weniger als eine halbe Stunde.

Ein Rezensent schrieb, das Werk zeige einen entschiedenen Fortschritt in Dvořáks Entwicklung hin zu größerer Festigkeit und Selbständigkeit. Die Uraufführung verlief so gut, dass die Serenade unmittelbar in das Programm des nächsten Slawischen Konzerts aufgenommen wurde.

Am 30. Dezember bewarb sich Dvořák um eine Stelle an einer Lehrerbildungsanstalt. Am 31., dem letzten Tag des Jahres, bewilligte ihm das Ministerium in Wien sein drittes staatliches Stipendium. Es betrug fünfhundert Gulden.


Das erste Geschäft des neuen Jahres betraf die Orgelempore. Am 2. Januar nahm der Prager Stadtrat zur Kenntnis, dass Antonín Dvořák, Organist an St. Adalbert, auf eigenen Wunsch zum 15. Februar aus seinem Amt entlassen werden wollte. Der Rat nahm seinen Rücktritt an und wies das Pfarramt an, von diesem Tag an die Gehaltszahlung an den bisherigen Organisten einzustellen. Es war auf den Tag genau drei Jahre nach seiner Ernennung.

Im Februar begann Dvořák eine komische Oper in zwei Akten, Der Bauer ein Schelm, nach einem Libretto von Josef Otakar Veselý. Im Juli, unmittelbar nach ihrer Vollendung, reichte er sie beim Interimstheater ein.


Im Juni wanderte er mit Janáček durch Mittelböhmen. Was von diesen gemeinsamen Wegen überliefert ist, stammt aus einer Bemerkung Janáčeks gegenüber Max Brod, dem 1884 geborenen Prager Schriftsteller, der sie Jahrzehnte später in ein Buch über Janáček aufnahm. Auf ihren langen Wanderungen, so erinnerte sich Janáček, seien sie meistens schweigend gegangen; Dvořák habe sehr wenig gesprochen und auf Fragen oft überhaupt nicht geantwortet. Janáček wandte sich, wie Brod berichtet, entschieden gegen die häufig gehörte Ansicht, Dvořák sei nicht intelligent gewesen. Er habe ausschließlich in Tönen gedacht und alles andere unbeachtet gelassen.

Am 26. Juni reichte Dvořák seine vierte Bewerbung um das staatliche Stipendium ein; im August wurde seine Bewerbung um die Stelle an der Lehrerbildungsanstalt abgelehnt.

Am 13. August 1877 starb Růžena an einer Phosphorvergiftung. Sie war noch keine elf Monate alt. Sechsundzwanzig Tage später, am 8. September, Dvořáks sechsunddreißigstem Geburtstag, starb Otakar an den Pocken. Er war dreieinhalb Jahre alt. Anna und Antonín hatten drei Kinder gehabt, und nun waren alle drei tot; zum ersten Mal seit dem Frühjahr 1874 lebte kein Kind mehr in ihrem Haus. Von Anna selbst sind darüber keine Worte im Druck überliefert, und nichts hält fest, wie sie diese Todesfälle ertrug.


Im Oktober nahm Dvořák das Stabat Mater wieder hervor, instrumentierte es für großes Orchester, erweiterte es auf zehn Sätze und beendete die Arbeit am 13. November. Die Fassung für Stimmen und Klavier hatte er sechs Monate nach Josefas Tod begonnen; diese neue Fassung entstand in den Wochen nach Otakars Tod. Seitdem ist das Werk immer im Licht dieser Daten gehört worden.

Das vollendete Werk dauert beinahe anderthalb Stunden. Es ist für Sopran-, Alt-, Tenor- und Bass-Soli, Chor und ein Orchester mit Orgel geschrieben. Es beginnt mit dem Orchester allein, mit einem einzigen Ton, der wiederholt und gehalten wird, und mit einer Linie, die dagegen in Halbtonschritten abwärtsgeht; lange Zeit singt niemand. Im zehnten und letzten Satz, Quando corpus morietur, kehrt die Musik des Anfangs wieder, und das Werk endet mit einer Fuge über das einzige Wort Amen.


In jenem Herbst zogen Dvořák und Anna in eine Wohnung in der Žitná-Straße 10. Am 26. November heiratete Annas ältere Schwester Josefína Čermáková den Grafen Václav Kounic, Besitzer des Gutes Vysoká bei Příbram, und wurde Gräfin Kounic. Am Hochzeitstag luden der Graf und seine Braut Dvořák nach Vysoká ein; es war seine erste Einladung dorthin.

Am Sonntag, dem 2. Dezember, spielte das Orchester des Interimstheaters unter Ludevít Procházka im Prager Sofien-Palast ein neues Werk von Dvořák, bei einem Konzert zugunsten einer neuen Kirche im Stadtteil Smíchov: die Sinfonischen Variationen, geschrieben zwischen dem 6. August und dem 28. September. Das Thema ist sein eigenes. Er nahm es aus einem Männerchor, Der Spielmann, nach Worten des Dichters Adolf Heyduk und baute darauf eine Folge von Variationen, etwas mehr als zwanzig Minuten Musik, die mit einer Fuge endet, welche auf ihrem Höhepunkt in eine Polka übergeht.


Ende 1877 saß Brahms in der Kommission, die über die Stipendien entschied. Er war Norddeutscher, in Hamburg acht Jahre vor Dvořák geboren, 1862 zum ersten Mal nach Wien gekommen und dort heimisch geworden; er war der Komponist des Deutschen Requiems.

Ungefähr zur selben Zeit schrieb Hanslick aus Wien an Dvořák. Die vierte Bewerbung war in einer kürzlich abgehaltenen Sitzung mit dem Minister erfolgreich gewesen. Hanslick sagte ihm außerdem, was er nun tun sollte: Er solle Brahms schreiben und eine deutsche Übersetzung seiner Klänge aus Mähren anfertigen lassen. Brahms hatten die Duette gefallen, und er könne sie seinem Verleger empfehlen. Dvořák tat beides.

Am 3. Dezember schrieb er aus der neuen Wohnung an Brahms. Das Stipendium, schrieb er, sei ihm auf Brahms’ und Hanslicks Antrag bewilligt worden. Er dankte ihm dafür und für die Sympathie, die Brahms seinem geringen Talent entgegengebracht hatte, ebenso für das Wohlgefallen, das er, wie Hanslick Dvořák mitgeteilt hatte, an den zweistimmigen böhmischen Liedern gefunden hatte. Hanslick, schrieb Dvořák weiter, habe ihm geraten, eine deutsche Übersetzung der Lieder anfertigen zu lassen, und Brahms werde vielleicht so gütig sein, sie seinen Verlegern zu empfehlen. Von Brahms in die musikalische Welt eingeführt zu werden, wäre, wie Dvořák schrieb, nicht nur für ihn selbst, sondern auch für sein geliebtes Vaterland von unschätzbarem Wert. Er bot an, Brahms außerdem Kammermusik und Orchesterwerke zur Durchsicht zu schicken.

Brahms antwortete knapp. Er entschuldigte sich für seine Eile, wollte die Sache jedoch nicht verzögert wissen. Über die Duette hatte er bereits an Fritz Simrock geschrieben, der seine eigene Musik in Berlin verlegte; Dvořák erhielt die Adresse der Firma in der Friedrichstraße und den Hinweis, dass vor allem eine gute deutsche Übersetzung nötig sei. Brahms bat ihn zugleich, die Angelegenheit keinesfalls zu überstürzen, damit das Werk darunter nicht leide.

Dvořák war einige Tage nicht in Prag gewesen, und Brahms’ Brief erreichte ihn verspätet. Als er am 19. Dezember antwortete, war die deutsche Übersetzung der Duette, angefertigt vom tschechischen Komponisten Josef Srb-Debrnov, bereits fertig, und eine Abschrift war auf dem Weg zu Simrock. Dvořák hoffte, dieser Brief möge ein glückverheißender sein. Zwischen dem 7. und dem 18. Dezember hatte er außerdem ein Streichquartett geschrieben.


Der Brief, den Brahms nach Berlin geschickt hatte, trug das Datum des 12. Dezember, und er begann mit dem Namen und seiner Aussprache: „Bei Gelegenheit des Staatsstipendiums freue ich mich schon mehrere Jahre über Sachen von Anton Dvořák (spr. Dvorschak) aus Prag.“

Nach Brahms’ Darstellung hatte der Komponist die Duette in jenem Jahr neben anderen Werken selbst mit seiner Bewerbung eingereicht; in Marie Neffovás Erinnerung war es ihr Haushalt gewesen, der sie verschickt hatte, und was Brahms gesehen hatte, war der gedruckte Band, von dem er annahm, Dvořák habe ihn selbst bezahlt, mit Titel und Texten auf Tschechisch. Wenn Simrock die Stücke durchspiele, schrieb Brahms, werde er sich wie er selbst darüber freuen und sich als Verleger besonders über das Pikante freuen.

Eine sehr gute Übersetzung sei nötig, schrieb Brahms; etliche der Texte seien bereits von einem inzwischen verstorbenen Mann übertragen worden, andernfalls gebe es in Prag jemanden, der die Arbeit übernehmen könne. Dvořák, erklärte er Simrock, habe alles Mögliche geschrieben: böhmische Opern, Sinfonien, Quartette und Klaviermusik. Jedenfalls sei er ein sehr talentvoller Mensch. „Nebenbei arm! Und bitte ich das zu bedenken!“ Die Duette würden ihm einleuchten und könnten ein „guter Artikel“ werden.

Am Ende schrieb Brahms die Adresse der Wohnung in der Žitná-Straße aus.

Er unterschrieb: J. Br.

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