Epilog

Vyšehrad


Am Morgen des 5. Mai verließ der Sarg die Wohnung in der Žitná-Straße und wurde für mehrere Stunden in der Kirche St. Salvator im Clementinum aufgebahrt, am Altstädter Ende der Karlsbrücke. Die Kirche, der Platz davor und der Hof des Clementinums füllten sich mit Tausenden von Menschen.

Suk war am Vortag nach Prag zurückgekehrt. Das Telegramm hatte ihn auf einer Konzertreise mit seinem Quartett in Spanien erreicht. Auf dem Heimweg war er in Nelahozeves ausgestiegen und hatte Flieder aus dem Dorf mitgebracht, um ihn auf den Sarg zu legen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Nachricht bereits auf den Titelseiten der Prager Zeitungen gestanden, ebenso in Zeitungen Deutschlands und Österreichs, Englands und Amerikas. Janáček erfuhr in Warschau davon. In seinen Erinnerungen schrieb er, die Warschauer Philharmonie habe das Programm ihres Sinfoniekonzerts geändert und zu Dvořáks Ehren die Hussiten-Ouvertüre aufgenommen; die Nachricht sei gerade erst eingetroffen. Er selbst habe unschlüssig mit den anderen im überfüllten Foyer gestanden.

Kurz nach drei Uhr nachmittags setzte sich der Trauerzug nach Vyšehrad in Bewegung. Die Sänger des Hlahol sangen im Gehen das Miserere, Universitätsstudenten trugen Banner mit den Titeln von Dvořáks Werken. Vor dem Nationaltheater hielt der Zug einen Augenblick an, während Orchester und Chor des Theaters vom Balkon einen Abschnitt aus seinem Requiem aufführten.

Auf Vyšehrad brannten Fackeln auf den Mauern. Karel Knittl, inzwischen Leiter des Konservatoriums, hielt die Trauerrede, und der Sarg wurde in ein vorläufiges Grab gesenkt.

Zwei Jahre später, am Jahrestag seines Todes, wurde Dvořák von dort in das Familiengrab unter den Arkaden des Vyšehrader Friedhofs umgebettet.


Otilie starb am 5. Juli 1905.

Sie war siebenundzwanzig Jahre alt.

Suk vollendete 1906 eine Sinfonie und gab ihr den Namen Asrael. Sie ist dem Andenken Dvořáks und Otilies gewidmet. Kovařovic dirigierte ihre Uraufführung am 3. Februar 1907 im Nationaltheater.


In Kroměříž fanden die beiden geplanten Konzerte des Moravan nicht statt.

1922 veröffentlichte die Oliver Ditson Company ein Lied mit dem Titel Goin’ Home. Auf dem Titelblatt stand: „From the Largo of the New World Symphony by Anton Dvořák“, darunter: „Words and adaptation by William Arms Fisher“. Fisher hatte während Dvořáks New Yorker Jahren am Konservatorium studiert.

Das Lied wurde so häufig gesungen, dass sehr viele Menschen es schließlich für ein altes Spiritual hielten, das Dvořák übernommen habe. Tatsächlich war die Melodie seine eigene, 1893 in New York geschrieben. Fishers Worte entstanden neunundzwanzig Jahre später.

Dvořáks erste Sinfonie stammte aus dem Jahr 1865, und nach Angaben der tschechischen Dvořák-Gesellschaft starb er in dem Glauben, die Partitur sei endgültig verloren. 1923 tauchte sie im Nachlass Rudolf Dvořáks wieder auf, eines Professors an der Prager Karls-Universität, der mit dem Komponisten nicht verwandt war und die Partitur offenbar 1882 in einem Leipziger Antiquariat gekauft hatte.

Heute ist die Sinfonie als Die Glocken von Zlonice bekannt. Ein Orchester in Brünn spielte sie am 4. Oktober 1936 zum ersten Mal, einundsiebzig Jahre nachdem sie geschrieben worden war.

Vítězslav Novák, einer von Dvořáks Kompositionsschülern am Konservatorium, bezeichnete ihn als einen Lehrer und Künstler zugleich. In Nováks Erinnerung seufzte Suk einmal, manchmal könnte er heulen, aber man lerne viel dabei.

Suk und Novák wurden später beide selbst Lehrer am Konservatorium. Suk wurde viermal zu dessen Rektor gewählt.

1932 eröffnete eine Gesellschaft, die Geld für ein Dvořák-Denkmal in Prag gesammelt hatte, in einem barocken Sommerhaus namens Amerika in der Neustadt ein Museum. Dort wird heute der größte Teil der Manuskripte seiner Musik aufbewahrt.


Anna überlebte ihn um siebenundzwanzig Jahre.

Sie starb am 14. Juli 1931 im Alter von siebenundsiebzig Jahren.

Sie liegt neben ihm im Grab auf Vyšehrad. Unter seinem Namen sind auch ihr Name und ihre Lebensjahre in den Stein gehauen:

1854–1931.

Dvořáks Begräbnis, Prag, 5. Mai 1904
Dvořáks Begräbnis, Prag, 5. Mai 1904Fotograf unbekannt · gemeinfrei

Ende